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Sterne in Nikolaus


Der Sternenhimmel in St. Nikolaus hat viele Sternstunden geschenkt

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"Paradies sichern, Horizont begrenzen"

Kirchenkabarett für Kenner Ganz ahnungslos durfte man nicht sein, ein wenig Erfahrung mit kirchlichen und bürokratischen Strukturen gehörte schon dazu, wenn man das Programm „Paradies sichern – Horizont begrenzen“ so ganz verstehen und genießen wollte.

Markus Lentner, Richard Stefke und Werner Hofmann verfügen über Insiderwissen, das wird schnell klar, als sie die extra aufgebaute Bühne im Pfarrheim St. Nikolaus betreten. Kein Wunder, sind sie doch im normalen Leben alle in der Katholischen Kirche angestellt und machen bereits seit 1994 vor allem kirchliche Bühnen unsicher. Werner Hofmann ist Gemeindereferent und Theaterautor, Richard Stefke Gemeindereferent und Caritaskreisgeschäftsführer, Markus Lentner Ministrantenreferent. Sie wissen also, wovon sie reden, wenn sie eine Vision der Katholischen Kirche in Bayern entwerfen, die so manchen braven Kirchgänger schaudern ließe. Drei „Restpriester“ soll es da geben, die vielleicht dreimal im Jahr die verbleibenden Pfarrverbände Nord, Süd und München besuchen. Für die eigentliche Arbeit werden 450-Euro-Kräfte gesucht, die jetzt sofort unter den Zuschauern mittels Casting ermittelt werden sollen. Bei den Bewerbungsgesprächen mit drei nicht ganz Freiwilligen zeigt sich das große Improvisationstalent vor allem von Richard Stefke, der fröhlich drauflos plaudert und aus jeder Antwort der Kandidaten etwas Lustiges zu zaubern versteht. Ziel ist es, Unterstützung bei der Bewältigung der großen „Glaubensmigration“ zu finden und die Flucht von „Glaubensasylsuchenden“ mit allen Mitteln zu verhindern. „Zu viel Glaube – wo soll das hinführen?“, fragen sich die Kabarettisten. Ja, und überhaupt: „Glaube gefährdet das Christentum“, sind sie sich sicher. Flüchtlinge seien ihnen willkommen, „wenn sie so sind wie wir es wollen.“ Parallelen zu den Miseren und Skandalen der Kirche, zur aktuellen Politik, den Flüchtlingsproblemen und bestimmten Parteien sind garantiert nicht zufällig und ganz sicher beabsichtigt, egal, ob von der „AFK“, (Alternative für die Kirche), der Kirchturmhaft oder dem Anker-Kreuz- und Herzzentrum die Rede ist. Mal witzig, mal albern, mit musikalischer Begleitung und tragenden Stimmen verkünden sie Thesen, brüllen Parolen, schwingen die Hüften und animieren zum Mitsingen. Zum Schluss werben sie deutlich leiser, aber vielleicht dadurch umso nachhaltiger mit einem letzten Lied um Verständnis für die Flüchtlinge im realen Leben.

Und um Nächstenliebe: „Denn nah sind wir uns selbst am meisten.“